Die Aprilsonne wärmt bereits kräftig und viele Gartenbesitzer warten noch entspannt auf das endgültige Verschwinden des Schnees, bevor sie mit der Gartenarbeit beginnen. Doch Landschaftsarchitekten, Baumpfleger und Gartenexperten schlagen in diesem Frühjahr ungewöhnlich deutlich Alarm.
Wer bestimmte Laubbäume, Sträucher oder Kletterpflanzen im Garten in Form bringen möchte, muss jetzt handeln. Das Zeitfenster schließt sich in diesen Tagen unwiderruflich. Der häufigste und teuerste Fehler im Hausgarten ist es, mit dem Schnitt bis Mai zu warten.
Bei einigen Arten wird diese Verspätung zur Katastrophe: Der erwachende Saftfluss ist dann bereits so kraftvoll, dass der austretende Saft die Pflanze buchstäblich ausbluten lässt. Hier sind die gefährlichsten Kandidaten, die nur vor dem Knospenaustrieb geschnitten werden dürfen.
Warum Baumsaft wie Lebensblut funktioniert
Schneiden Sie einen Apfelbaum im März oder April, verträgt er den Eingriff problemlos. Der Saftfluss ruht noch tief, und die Wunden können sauber abheilen.
Doch in unseren Gärten wachsen zahlreiche außerordentlich beliebte Baumarten, deren Physiologie völlig anders funktioniert. Gartenverbände und erfahrene Baumpfleger warnen eindringlich vor sogenannten Saftdruckbäumen.
Diese Gehölze erwachen bereits bei den ersten Plusgraden. Ihre Wurzelsysteme beginnen sofort, Wasser und Zucker mit enormem Druck durch den Stamm nach oben zu pumpen.
Wer bei solchen Bäumen im späten April oder Mai einen dicken Ast absägt, erlebt keine harmlosen Tropfen. Der Baum beginnt regelrecht zu weinen oder verliert literweise Saft. Dieser Fluss lässt sich mit keinem Wundverschlussmittel stoppen. Der Baum verliert seine gesamte Energie, wird sofort anfällig für Pilzerkrankungen und kann so geschwächt werden, dass er den nächsten Winter nicht überlebt.
Diese 4 Gartenlieblinge müssen jetzt geschnitten werden
Falls diese Pflanzen in Ihrem Garten stehen und dringend Form, Totholzentfernung oder Auslichtung benötigen, handeln Sie sofort im März oder April, solange die Nächte noch frostig sind und die Knospen fest geschlossen bleiben:
Ahornbäume aller Arten
Vom majestätischen Bergahorn bis zum beliebten Blutahorn in modernen Gärten – sie alle gehören zu den stärksten Saftern überhaupt und vertragen späte Schnitte absolut nicht.
Birken, besonders Hängebirken
Diese heimischen Klassiker erwachen extrem früh im Jahr. Wer eine Hängebirke im Mai schneidet, begeht einen schwerwiegenden Fehler mit möglicherweise fatalen Folgen.
Kirschen und Pflaumenbäume
Anders als Apfelbäume sollten Steinobstbäume überhaupt nicht im Frühjahr geschnitten werden. Die beste Zeit ist der Spätsommer oder Herbst nach der Ernte, wenn der Saftfluss nachlässt. Nur im absoluten Notfall darf jetzt sofort ein toter Ast entfernt werden.
Weinreben
Wer auf dem verglasten Balkon oder an warmen Hauswänden Weinreben kultiviert, sollte wissen: Ein Rebschnitt im April ist viel zu spät. Weinreben bluten heftiger als jede andere Pflanze. Der richtige Zeitpunkt liegt immer im Oktober oder November.
Die goldene Schnittregel für Obstbäume
Apfelbäume hingegen dürfen und sollten im April geschnitten werden. Doch Fachleute kennen eine eiserne Regel, die den Baum selbst bei richtigem Zeitpunkt vor dem Verderben schützt.
Beim Absägen dicker Äste niemals einen Stummel stehen lassen. Solche Zapfen sind Autobahnen für Fäulnispilze direkt ins Holz.
Suchen Sie immer die Verdickung am Übergang zwischen Ast und Stamm – den sogenannten Astringstellen. Sägen Sie den Ast knapp außerhalb dieser Wulst ab, leicht schräg. Diese Wulst darf keinesfalls verletzt werden, denn ihr Kallusgewebe ist die einzige natürliche Kraft, die schnell über die Schnittwunde wachsen und die schützende Rinde wie ein biologisches Pflaster schließen kann.
Aus diesem Grund sollten auch teure Wundverschlussmittel oder Baumfarben nach heutigem Wissensstand niemals auf Schnittflächen aufgetragen werden – sie sammeln nur Feuchtigkeit und Schimmel darunter.
Liegt Ihre Gartenschere noch im Schuppen und wartet auf den Mai? Haben Sie schon einmal versehentlich eine Birke oder einen Ahorn zu spät geschnitten und den trostlosen Saftfluss beobachtet? Überprüfen Sie noch an diesem Wochenende die Knospen Ihrer Bäume, schärfen Sie die Schere und teilen Sie diese lebenswichtige Zeitplan-Warnung mit Ihren Nachbarn, die wertvolle Obstbäume besitzen.



