In Schulbüchern steht überall dasselbe: Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, und sämtliches Wasser zirkuliert ständig zwischen Ozeanen, Atmosphäre und Wolken.
Doch bahnbrechende seismologische Forschungen in den Tiefen unseres Planeten haben Geologen und Wissenschaftler weltweit gezwungen, diese fundamentalen Annahmen komplett zu überdenken.
Ein internationales Forscherteam hat eine Entdeckung gemacht, die eher nach Science-Fiction klingt als nach wissenschaftlicher Realität.
Über 600 Kilometer unter der Erdoberfläche, in den glühend heißen Schichten des Erdmantels, existiert ein versteckter Ozean. Dieses gigantische Wasserreservoir übertrifft alle Ozeane an der Erdoberfläche zusammengenommen um das Dreifache.
Wie kann Wasser bei solch extremen Temperaturen existieren, ohne zu verdampfen? Und was bedeutet diese Entdeckung für unser Verständnis des Planeten? Hier kommt die faszinierende wissenschaftliche Erklärung für das größte Wassergeheimnis der Erde.
Seismische Wellen enthüllten das unsichtbare Meer
Die Entdeckung gelang ursprünglich in den Vereinigten Staaten, als Geophysiker und Seismologen die Schockwellen von Erdbeben untersuchten. Wenn ein massives Erdbeben auftritt, durchlaufen seine erzeugten Wellen den gesamten Planeten.
Genauso wie Ärzte Ultraschall nutzen, um ins Innere des menschlichen Körpers zu blicken, verwenden Geologen diese Erdbebenwellen, um das Innere unseres Planeten zu „röntgen“.
Die Forscher bemerkten etwas Außergewöhnliches: In etwa 410 bis 660 Kilometern Tiefe, in einem Bereich namens Übergangszone des Erdmantels, verlangsamten sich die Erdbebenwellen erheblich.
Diese Verlangsamung ist ein klassisches Zeichen dafür, dass die Wellen durch Wasser oder geschmolzenes Gestein wandern. Aber in dieser Tiefe sind Druck und Temperatur (bis zu 1.500 Grad Celsius) so extrem, dass Wasser dort nicht als flüssiger Ozean oder See existieren kann. Wie konnte das Wasser also dort sein?
Die Antwort liegt im blauen Wundermineral: Ringwoodit
Die Lösung für das Rätsel des inneren Ozeans ist keine wellenförmige unterirdische Höhle. Es ist pure Chemie.
Tief im Erdinneren existiert Wasser weder als Flüssigkeit, Eis noch als Dampf. Es wurde in eine völlig andere, „vierte“ Form gepresst: Es ist direkt in die Kristallstruktur von Mineralien eingebunden.
Die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler richtete sich auf ein Mineral namens Ringwoodit. Dieses unglaublich schöne, oft tiefblaue Mineral (das auch in Meteoriten gefunden wurde, die auf die Erde gefallen sind) entsteht aus Olivin nur unter unvorstellbarem Druck tief im Erdmantel.
Die Kristallstruktur von Ringwoodit funktioniert wie ein molekularer Schwamm. Es kann enorme Mengen an Wasser (als Wasserstoff- und Sauerstoffatome) aufnehmen und speichern.
„Wenn nur ein Prozent des Ringwoodits in der Übergangszone der Erde aus Wasser besteht, bedeutet das, dass tief unter unseren Füßen bis zu dreimal mehr Wasser gespeichert ist als in allen Weltmeeren zusammen – im Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean vereint“, erklärten führende Forscher.
Der gigantische Wasserfilter der Erde
Dieser „blaue Ozean“ in 600 Kilometern Tiefe ist nicht nur eine interessante Kuriosität. Er verändert vollständig, wie wir den Wasserkreislauf unseres Planeten verstehen.
Früher glaubte man, dass das Wasser der Erde vor Milliarden Jahren durch Eismeteoriten und Kometen aus dem Weltraum hierher gelangte. Diese neue Entdeckung deutet jedoch darauf hin, dass das Erdwasser möglicherweise aus dem Inneren des Planeten an die Oberfläche gesickert ist – durch Plattentektonik und vulkanische Ausbrüche.
Ringwoodit fungiert als interner Wasserspeicher der Erde, der sicherstellt, dass unsere Ozeane niemals vollständig austrocknen, aber auch verhindert, dass unser Planet in einer endlosen Wasserflut versinkt.
Es ist ein gewaltiger geologischer Puffer. Ohne diesen tief verborgenen Schwamm gäbe es an der Erdoberfläche wahrscheinlich kein trockenes Land. Wir würden auf einem Planeten leben, der vollständig von hunderte Kilometer tiefem Wasser bedeckt ist, auf dem die Entwicklung von Leben (zumindest von Landleben) unmöglich gewesen wäre.
Wie oft blickst du in den Sternenhimmel auf der Suche nach Wundern, während das größte Mysterium vielleicht hunderte Kilometer tief direkt unter deinen Füßen liegt? Wusstest du, dass der größte Ozean der Welt in blauem Stein eingeschlossen ist? Diese bewusstseinserweiternde wissenschaftliche Entdeckung zeigt einmal mehr, wie wenig wir über unseren eigenen Planeten wissen – und welche unfassbaren Geheimnisse noch auf ihre Entdeckung warten!



