Zwischen Malaysia und Borneo erstreckt sich ein Inselarchipel mit türkisfarbenen Lagunen, menschenleeren Stränden – und erstaunlich wenigen Besuchern.
Während Bali, Lombok und die Malediven längst in jedem Reisekatalog zu finden sind, existiert mitten im Südchinesischen Meer eine Inselgruppe, die auf der touristischen Weltkarte noch immer einen weißen Fleck darstellt: die Anambas-Inseln. Etwa 250 Inseln, kristallklares Wasser, Korallenriffe, palmengesäumte Buchten – und an vielen Tagen begegnet man mehr Fischen als Menschen.
Die geografische Lage der Anambas-Inseln
Geografisch gesehen liegen die Anambas-Inseln zwischen Malaysia und Borneo, gehören politisch jedoch zu Indonesien. Sie bilden einen weitläufigen Archipel im Südchinesischen Meer, fernab der klassischen Reiserouten.
Der Archipel ist nur über mehrere Transportetappen erreichbar. Wer hierher gelangt, hat bewusst auf die bequeme Pauschalreise verzichtet – und das prägt die Atmosphäre vor Ort entscheidend.
Ungefähr 250 Inseln, nur ein Bruchteil bewohnt, der Rest: pure Tropenidylle ohne Beton, Bars und Beachclubs.
Tropisches Mosaik statt Postkarten-Klischees
Die Landschaft der Anambas-Inseln wirkt nahezu surreal. In einer Bucht erinnert das Wasser an die Malediven, wenige Seemeilen weiter ragen steile Klippen und dschungelbedeckte Hügel aus dem Meer – eine Silhouette, die eher an Nordvietnam denken lässt.
Das Licht spielt eine entscheidende Rolle. Morgens schimmert das Wasser milchig türkis, mittags beinahe neonblau, und bei Sonnenuntergang mischen sich Gold- und Violetttöne am Horizont. Viele Reisende berichten, dass ihre Kamera ständig an Grenzen stößt – die Farben sind in Wirklichkeit weitaus intensiver als auf jedem Display.
Warum die Strände so leer wirken
Von den circa 250 Inseln sind nur etwa 25 dauerhaft bewohnt. Große Hotelkomplexe existieren praktisch nicht, und manche Inseln haben nicht einmal befestigte Wege. Mit einem Boot lassen sich buchstäblich menschenleere Buchten ohne Schwierigkeiten erreichen.
- Keine Strandpromenade mit Souvenirläden
- Kaum Fahrzeuge, dafür viele kleine Boote
- Oft kein Mobilfunksignal außerhalb der Dörfer
- Strände ohne Reihen von Liegestühlen oder Lautsprechermusik
Dieser Minimalismus erzeugt das Gefühl, sich an einem Ort zu befinden, der in der Zeit zurückgeblieben ist – im besten Sinne.
Leben auf Stelzen: Dörfer wie vor Jahrhunderten
Auf den bewohnten Inseln spielt sich der Alltag buchstäblich auf dem Wasser ab. Viele Dörfer sind auf Holzpfählen im Meer errichtet, und Stege verbinden die Häuser wie ein Netz aus Gassen.
Die meisten Familien leben vom Fischfang. Lokale Handwerker bauen die Boote noch immer aus Holz, häufig ohne Maschinen und nach überlieferten Techniken. Wer in den Morgenstunden durch ein solches Pfahldorf wandert, hört Hämmern auf Holz, knarrende Planken und die Motoren der ersten ablegenden Boote – unvergleichbar mit einem Resortfrühstück mit Buffetmusik.
Das Lebenstempo ist radikal verlangsamt: kein Shopping, kein Nachtleben – nur Meer, Wetter und Tageslicht als Taktgeber.
Was Reisende hier tatsächlich erwartet
Wer zu den Anambas-Inseln reist, sucht selten das perfekte Spa oder die nächste Strandparty. Die meisten Gäste kommen aus drei Gründen:
- Ruhe – Tage ohne Deadlines und ständige Benachrichtigungen auf dem Handy.
- Meer – Schnorcheln, Tauchen und Kajakfahren in nahezu leeren Lagunen.
- Kontakt zur lokalen Bevölkerung – Homestays, kleine Gästehäuser und einfache Warungs mit hausgemachtem Essen.
Luxus definiert sich hier weniger über Sterneklassifizierungen und mehr darüber, wie weit die nächste Menschenmenge entfernt ist.
Warum dieses Paradies noch kein Massentourismusziel ist
Die Antwort ist überraschend simpel: Die Anambas-Inseln liegen abgelegen und erfordern logistischen Aufwand. Es gibt keine Direktflüge aus Europa, und manchmal existieren nicht einmal tägliche Verbindungen von den indonesischen Großstädten. Viele Routen führen über Singapur oder Jakarta und weiter mit Regionalflugzeugen oder Fähren.
Große Hotelketten haben sich bislang zurückgehalten, weil die Infrastruktur begrenzt ist. Stromversorgung, Wasseraufbereitung und Abfallentsorgung sind allesamt ressourcenintensiv auf kleinen Inseln auszubauen. Der Archipel erscheint daher noch immer als Gegenentwurf zum All-inclusive-Komplex.
Die Kehrseite der Abgeschiedenheit
Die Idylle hat ihren Preis. Komfort ist nicht überall garantiert. Manche Unterkünfte haben nur wenige Stunden am Tag Strom, warmes Wasser ist keine Selbstverständlichkeit, und Kartenzahlung scheitert oft aufgrund fehlender Netzverbindung.
Die Reise erfordert mehr Vorbereitung:
- Genaue Planung von Ankunft und Abreise aufgrund seltener Verbindungen
- Reiseapotheke, da die medizinische Versorgung eingeschränkt ist
- Bargeldreserve, da Geldautomaten fehlen können
- Geduld bei verspäteten Booten oder Flügen
Genau das verleiht der Reise ihren Charme: Wer ankommt, hat sich das Paradies verdient.
Zwischen geheimer Perle und kommendem Hotspot
Reiseblogs, Instagram-Accounts und TikTok-Videos richten ihren Blick zunehmend auf abgelegene Inselgruppen. Die Anambas-Inseln tauchen häufiger auf Listen über versteckte Inseln oder alternative Malediven auf. Die Zahlen bleiben bescheiden, doch die Tendenz ist deutlich.
Der Archipel befindet sich an einem Wendepunkt: noch ruhig, aber bereits im Rampenlicht – bald vielleicht breit vermarktet.
Tourismusbehörden diskutieren, wie man mehr Besucher anziehen kann, ohne das fragile Ökosystem zu überlasten. Mögliche Maßnahmen sind Quoten für bestimmte Inseln, strengere Regeln für Tauchen und Schnorcheln sowie Auflagen für neue Unterkünfte, damit Mangroven und Korallenriffe nicht einem Bauboom weichen.
Was die Inseln so verletzlich macht
Korallenriffe reagieren empfindlich auf Temperaturanstiege, Verschmutzung und unkontrollierten Bootsverkehr. Selbst wenige unachtsame Besucher mit Sonnencreme auf Mineralölbasis können Schäden an kleineren Riffen verursachen. Und Müll, der auf einer kleinen Insel landet, verschwindet nicht einfach von selbst.
Gleichzeitig birgt der Archipel Chancen: Nachhaltig organisierter Tourismus kann Einkommen schaffen, ohne dass große Industrien die Küsten besetzen. Kleine Gästehäuser, lokale Guides und Familienboote im Touristenbetrieb können die Region stärken, wenn klare Spielregeln gelten.
Tipps für eine verantwortungsvolle Reise
Wer die Anambas-Inseln besuchen möchte, sollte mehr Respekt als Selfie-Sticks einpacken. Ein paar einfache Punkte helfen dabei, den Charakter des Archipels zu bewahren:
- Bevorzugen Sie kleine, lokal geführte Unterkünfte gegenüber großen Investorprojekten.
- Verwenden Sie rifffreundliche Sonnencreme ohne schädliche Chemikalien.
- Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit – besonders bei Bootsausflügen.
- Halten Sie Abstand zu Korallen und Meerestieren – auch beim Schnorcheln.
- Reisen Sie außerhalb der regionalen Hochsaison, um Spitzenbelastung zu verringern.
Auf diese Weise bleibt das erhalten, was den Ort einzigartig macht – die Ruhe, die klaren Lagunen und die lebendigen Korallenriffe – noch viel länger.
Für wen sich die Reise wirklich lohnt
Die Anambas-Inseln passen nicht zu jedem Reisestil. Wer All-inclusive, Nachtclubs und Shopping-Abende sucht, wird vermutlich enttäuscht. Wer hingegen Zeit, eine gewisse Abenteuerlust und Freude an einfachen Momenten mitbringt, erhält viel zurück.
Typische Aktivitäten sind:
- Schnorcheln und Tauchen an intakten Korallenriffen
- Inselhüpfen mit kleinen Holzbooten
- Kürzere Wanderungen zu waldbedeckten Hügeln mit Ausblick über die Lagunen
- Fischen mit Einheimischen im Morgen- oder Abendlicht
- Lesen und Entspannen in Hängematten direkt über dem Wasser
Wer genau das schätzt, versteht nach nur wenigen Tagen, warum viele Reisende von Zeitverlust im besten Sinne sprechen: Man vergisst Wochentage, Termine und To-do-Listen und orientiert sich stattdessen an Gezeiten, Sonnenstand und Hunger.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob dieser Archipel bekannt werden wird, sondern wie schnell es geschieht. Und wer bereits seine eigenen Erinnerungen an menschenleere Buchten hat – statt nur Bilder von voll ausgebauten Stränden sehen zu können.



