Etwas mehr als ein Monat ist vergangen, seit die pinken Lieferrucksäcke, die zehn Jahre lang das finnische Straßenbild prägten, endgültig verschwanden. Der Liefergigant Foodora schloss seine finnischen Aktivitäten offiziell am 27. Februar 2026 und hinterließ 80 arbeitslose Angestellte, Tausende von Kuriergig-Workern und einen Markt, der nun praktisch ausschließlich vom heimischen Konkurrenten Wolt dominiert wird.
Als sich der in deutschem Besitz befindliche Delivery Hero zurückzog und einen zu kostspieligen Kampf um Marktanteile anführte, zuckten viele Verbraucher mit den Schultern und bestellten weiterhin über die vertraute blaue App.
Verbraucherexperten, Gastronomen und Wettbewerbsspezialisten haben die Entwicklungen im Frühjahr jedoch mit wachsender Besorgnis verfolgt. Jetzt, da die pinke Alternative verschwunden ist, erwachen die Finnen zu einer eiskalten wirtschaftlichen Realität: Der Mangel an Wettbewerb zeigt sich bereits auf der Rechnung für das nach Hause gelieferte Essen, und die Gastronomiebranche fürchtet das Schlimmste.
Allein auf weiter Flur: Die Folgen des verschwundenen Wettbewerbs
Finnische Verbraucher, besonders in Helsinki, Tampere und Turku, waren es gewohnt, vom blutigen Preiskrieg zweier Technologiegiganten zu profitieren. Als Foodora und Wolt, das mittlerweile dem US-amerikanischen Unternehmen DoorDash gehört, um dieselben hungrigen Kunden kämpften, gab es kontinuierlich Kampagnen mit kostenloser Lieferung, Rabattcodes und aggressives Marketing.
Laut Wirtschaftswissenschaftlern und ehemaligen Spezialisten der finnischen Wettbewerbs- und Verbraucherbehörde änderte sich die Situation am 27. Februar radikal.
Wenn ein Verbraucher an einem Freitagabend im April 2026 eine Essensbestell-App öffnet, gibt es keine Alternativen mehr. Wolt hat in Finnland eine Position erreicht, die in der Wirtschaftswissenschaft als faktisches Monopol auf dem Plattform- und Liefermarkt für Restaurantessen bezeichnet wird.
Ohne den von Foodora ausgeübten Druck hat Wolt keinen zwingenden wirtschaftlichen Grund mehr, Liefergebühren oder Servicegebühren künstlich niedrig zu halten, um Kunden vom Wettbewerber abzuwerben. Preiserhöhungen und das schleichende Anheben versteckter Kosten wie Servicegebühren und dynamischer Lieferpreise sind typische Phänomene in einem Markt ohne ernstzunehmenden Herausforderer, warnen Verbraucheranalysten.
Gastronomen in Aufruhr: Provisionen geraten außer Kontrolle
Die Geldbörse des Verbrauchers ist nur die eine Seite der Geschichte. Zahlreiche lokale Pizzerien und Burger-Unternehmer, die von finnischen Medien interviewt wurden, berichten von ihrer Notlage im Frühjahr.
Essenslieferungs-Apps nehmen von jedem Restaurant pro Bestellung eine Provision von bis zu 25 bis 30 Prozent.
„Als Foodora noch auf dem Markt war, konnten wir zumindest theoretisch die Plattformen gegeneinander ausspielen oder über Konditionen verhandeln. Jetzt ist ein Restaurant, das nicht bei Wolt ist, praktisch unsichtbar für junge Leute und Studierende. Sie diktieren die Bedingungen, und wir müssen sie schlucken. Diese enorme Provision wird letztendlich direkt auf den Preis des Essens in der App übertragen“, äußert ein frustrierter Unternehmer aus der Region Pirkanmaa seinen Frust.
Deshalb kann dieselbe Pizza über die App bestellt ein bis zwei Euro mehr kosten als direkt im Restaurant abgeholt.
Wartend auf neue Konkurrenz: Zahlt der finnische Verbraucher jeden Preis?
Obwohl Foodora versprach und nicht eingelöste Geschenkgutscheine und Vorteile Ende Februar an Kunden zurückerstattete, ist die hinterlassene Lücke gewaltig.
Im Laufe des Frühjahrs 2026 brodelt die Gerüchteküche jedoch in sozialen Medien, besonders in Investoren- und Wirtschaftsgruppen. Könnte der US-amerikanische Riese Uber Eats, der bereits in anderen nordischen Ländern operiert, später in diesem Jahr nach Finnland vorstoßen, um die von Foodora hinterlassene Marktlücke zu füllen?
Bis dahin stimmt der finnische Verbraucher mit seiner Geldbörse ab. Obwohl nach Hause geliefertes Essen, besonders an Wochenenden und nach durchfeierten Nächten, für viele ein Luxus ist, auf den sie nicht verzichten möchten, zwingen Inflation und hohe Zinsen zum Nachdenken über Schmerzgrenzen.
Der ultimative Spar-Tipp für diesen Monat: Wenn Sie Ihr Lieblingsrestaurant unterstützen und monatlich sogar Dutzende Euro sparen möchten, kehren Sie zum guten alten 90er-Jahre-Modell zurück: Rufen Sie direkt bei der Pizzeria an und holen Sie das Essen selbst ab! So bleiben 100 Prozent Ihres Geldes beim lokalen Unternehmer, und Sie zahlen keine Zwischenhändler oder internationale Technologiegiganten.
Haben Sie auch bemerkt, dass Liefergebühren oder Essenspreise in Ihrer bevorzugten App diesen Frühling gestiegen sind? Haben Sie die Foodora-App bereits von Ihrem Handy gelöscht, oder vermissen Sie den Wettbewerb in Finnland? Wie viel sind Sie bereit, für Hauszustellung zu zahlen, oder holen Sie das Essen lieber selbst direkt im Restaurant ab, um Unternehmer zu unterstützen? Überprüfen Sie Ihre Quittungen und teilen Sie diese augenöffnende Enthüllung aus Wirtschaft und Gastronomie mit Freunden, die jedes Wochenende Essen bestellen!



