Während Deutsche gewohnt sind, isländische Vulkanausbrüche aus sicherer Entfernung zu beobachten – die Aschewolke von 2010, die den europäischen Flugverkehr lahmlegte, ist unvergessen – richten internationale Vulkanologen ihren Blick nun auf ein Gebiet, das viel näher liegt. Es geht um eine beliebte Urlaubsregion im Herzen Europas.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass einer der zerstörerischsten und explosivsten Supervulkane der Erdgeschichte begonnen hat, seine Magmakammer langsam zu „laden“. Nicht der ferne Yellowstone ist gemeint, sondern ein Riese direkt unter einer Millionenstadt, dessen Erwachen die Sonne verdunkeln und Europas Klima jahrelang verändern könnte. Hier kommt die neueste, erschütternde Analyse darüber, was gerade jetzt unter der Oberfläche geschieht.
Nicht der Vesuv, sondern sein furchteinflößenderer großer Bruder
Wenn von italienischen Vulkanen die Rede ist, denken die meisten deutschen Urlauber sofort an den Vesuv, der Pompeji zerstörte. Doch Experten des italienischen Nationalinstituts für Geophysik und Vulkanologie weisen auf eine weit größere Bedrohung hin: die Campi Flegrei (Phlegräische Felder), die sich teilweise unter dem Golf von Neapel erstrecken.
Anders als ein traditioneller, kegelförmiger Vulkan handelt es sich bei den Campi Flegrei um eine gewaltige Kaldera mit über 13 Kilometern Durchmesser – ein eingestürzter Krater, in und um den heute Hunderttausende Menschen leben, ohne die unter ihren Füßen lauernde Kraft zu kennen.
Der letzte gigantische Ausbruch ereignete sich vor 39.000 Jahren (die sogenannte Kampanische Ignimbrit-Eruption), und Forscher vermuten, dass die dabei freigesetzte Asche möglicherweise zum Aussterben der Neandertaler in Europa beigetragen hat. Warum aber sorgen sich Geologen ausgerechnet jetzt?
„Die Erde atmet“ – Die gefährliche Beschleunigung der Bradyseismie
Im Frühjahr 2026 wurden wöchentlich Hunderte kleiner Erdbeben in der Region registriert (sogenannte seismische Schwärme). Das alarmierendste Warnsignal ist jedoch ein Phänomen namens Bradyseismie.
Bradyseismie bezeichnet das langsame Heben und Senken der Erdoberfläche. Die berühmte Hafenstadt Pozzuoli, die direkt über der Kaldera liegt, hat sich in den letzten Jahren stellenweise um mehrere Meter über den Meeresspiegel gehoben.
Die Erde atmet buchstäblich und wölbt sich, erklären Geologen in renommierten Fachpublikationen. Dies geschieht, weil sich die tief im Erdinneren liegende Magmakammer mit neuen, extrem heißen Gasen und möglicherweise frischem Magma füllt, das die Erdkruste nach oben drückt und deren Struktur schwächt.
Computermodellierungen und Gesteinsproben der Forscher zeigen, dass die Erdkruste der Campi Flegrei dem Bruchpunkt jetzt näher ist als seit Jahrzehnten.
Was würde passieren, wenn der Supervulkan ausbricht?
Ein Supervulkan-Ausbruch lässt sich nicht mit den ruhig fließenden Lavaströmen Islands vergleichen. Sollte das Dach der Campi-Flegrei-Kaldera nachgeben, steht eine Explosionseruption bevor.
Seismologen schätzen für das Worst-Case-Szenario:
Lähmung des Flugverkehrs: Gewaltige Mengen an Schwefeldioxid und Asche würden direkt in die Stratosphäre geschleudert, in Höhen von mehreren Dutzend Kilometern. Dies würde praktisch den gesamten europäischen Luftraum möglicherweise wochen- oder monatelang schließen und Lieferketten sowie den globalen Tourismus unterbrechen.
Ein „Jahr ohne Sommer“ (Klimaabkühlung): In die Stratosphäre gelangendes Schwefeldioxid bildet Aerosole, die Sonnenlicht zurück ins All reflektieren. Dies könnte die globale Durchschnittstemperatur jahrelang um mehrere Grad senken. Für Deutschland würde das katastrophale Ernteausfälle, extrem kalte Winter und einen beispiellosen Anstieg der Strompreise bedeuten.
Sollte man Italien-Urlaube meiden?
Forscher und Zivilschutz betonen, dass kein Grund zur unmittelbaren Panik besteht. „Der Vulkan lädt seine Batterien auf, aber der Ladevorgang kann Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte dauern. Er kann sich auch wieder beruhigen, wie er es in der Vergangenheit getan hat“, beruhigen sie.
Dennoch haben die italienischen Behörden die Evakuierungspläne für die Region aktualisiert und führen regelmäßig Übungen durch, um über eine halbe Million Menschen innerhalb von Stunden aus der Gefahrenzone zu bringen.
Deutsche Urlauber, die beispielsweise nach Sorrent, Amalfi oder Neapel reisen, müssen ihre Reisen nicht absagen. Doch die unglaubliche Naturgewalt sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man an den schönen heißen Quellen und Schwefeldampf ausstoßenden Kratern wie der Solfatara entlangspaziert.
Waren Sie schon einmal in Neapel oder Pompeji? Haben Sie auf einer Auslandsreise ein kleines Erdbeben gespürt? Beunruhigt Sie der Gedanke, wie verwundbar unsere moderne Gesellschaft und der Flugverkehr gegenüber den Launen der Natur sind? Teilen Sie diesen faszinierenden und lehrreichen Wissenschaftsartikel mit Freunden, die Italien, Geografie oder spannende Naturphänomene lieben!



