Die Frühlingssonne strahlt, und die grünen Daumen jucken förmlich danach, in der Erde zu wühlen. Gartencenterfüllte Regale quellen über vor bunten Samentüten, und viele Menschen tragen Dutzende kleiner Anzuchttöpfe nach Hause – in der Überzeugung, durch die Eigenanzucht ihres Traumgartens ein Vermögen zu sparen.
Doch das monatelange Warten, teure Pflanzenlampen und tägliches Besprühen enden viel zu oft in bitterer Enttäuschung. Bestimmte Kräuter, Gemüsesorten und Sommerblumen keimen langsamer als der kurze nordische Sommer erlaubt, oder aus ihren Samen entwickeln sich schwächliche, geschmacklose und blühfaule Kümmerlinge.
Gartenbau-Profis und Gärtnereibesitzer enthüllen nun drei gnadenlose Wahrheiten. Falls Sie planen, diese drei absoluten Garten- und Balkonfavoriten an diesem Wochenende aus Samen zu ziehen, sparen Sie sich das Geld für die Tüte und kaufen Sie besser gleich eine fertige Jungpflanze.
Der kurze Sommer kennt keine Gnade
Beim Durchblättern von Gartenzeitschriften oder beim Schauen britischer Gartenformate wirkt die Aussaat romantisch und verlockend. Die Realität in nordischen Gefilden sieht anders aus.
Gartenexperten erinnern an die harten Gesetze der Pflanzenphysiologie und des Klimas: Die lichtreiche Vegetationsperiode ist schlichtweg zu kurz für viele südländische Arten. Wenn Sie im März einen langsam keimenden Samen bei Zimmertemperatur aussäen und bis Anfang Juni auf das Ende der Nachtfröste warten müssen, verbringt die Pflanze ihre wertvollsten Wachstumsmonate kümmernd in einem engen Topf.
Das Ergebnis ist meist ein unter Lichtmangel leidender Schwächling, der seine gesamte Energie ins bloße Überleben steckt und keine Zeit mehr hat, Früchte zu tragen oder zu blühen, bevor die ersten Herbstfröste kommen.
Laut Fachleuten saugen diese drei Pflanzen nur Ihr Geld und Ihre Geduld auf, wenn Sie sie aus Samen heranziehen:
1. Rosmarin (Die eigensinnigste Diva der Küche)
Wenn Sie von mediterranem Duft träumen und frischen Rosmarin für Ihr Grillgut ernten möchten, machen Sie einen großen Bogen um die Samenregale.
Rosmarinsamen sind berüchtigt für ihre Keimunlust. Sie können monatelang absolute Perfektion bei Temperatur und Feuchtigkeit verlangen, nur um überhaupt aufzugehen – und die Keimrate ist oft erschreckend niedrig.
Selbst wenn Sie einen Samen zum Keimen bringen, ist das Wachstum des Setzlings frustrierend langsam. Bis Mittsommer haben Sie womöglich ein fünf Zentimeter hohes, dünnes grünes Fädchen, während Sie kräftige Zweige von einem buschigen Strauch schneiden wollten.
- Profiwahl: Kaufen Sie im Mai einen großen, buschigen Rosmarinstrauch als Topfpflanze oder fragen Sie Ihre Nachbarn nach einem Steckling! Rosmarin bewurzelt im Wasserglas verblüffend leicht und entwickelt sich sofort zu einem kräftigen Busch.
2. Lavendel (Unberechenbare Enttäuschung)
Lavendel ist zum absoluten Renner auf Balkonen geworden – nicht nur wegen seines herrlichen Dufts, sondern auch, weil er Zecken und Mücken fernhält.
Die Aussaat von Lavendelsamen ist jedoch reines Glücksspiel. Lavendelsamen – besonders vom winterharten Echten Lavendel – benötigen oft eine Kältebehandlung (Stratifikation) im Kühlschrank, um ordentlich zu keimen. Ohne diese schlummern sie monatelang in der Erde.
Noch schlimmer ist die Genetik. Aus Samen gezogener Lavendel vererbt Blütenfarbe und Duft nicht so zuverlässig wie die Mutterpflanze. Aus Ihren Sämlingen können unterschiedlich hohe, zu verschiedenen Zeiten blühende Sträucher mit blassen Farben werden.
- Profiwahl: Die Schönheit des Lavendels basiert auf gleichmäßigen, dichten Polstern. Investieren Sie Ihr Geld im Mai lieber gleich in einige professionell gezogene, gut bewurzelte Jungpflanzen aus dem Gartencenter. Sie sparen enorm viel Zeit und erhalten sofort eine verlässliche, duftende Schutzbarriere.
3. Apfel- und Kirschbäume (Generationen-Lotterie)
Das ist bei Kindern beliebt: Einfach einen Kern vom gekauften Apfel oder der Kirsche in einen Topf werfen und schauen, ob ein Baum wächst! Ja, er wächst – aber Sie werden niemals dieselbe Frucht ernten.
Äpfel und die meisten anderen Obstbäume sind extrem heterozyg. Das bedeutet: Wenn Sie den Kern des süßesten und größten Apfels pflanzen, wird der daraus wachsende Baum mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit kleine, saure und holzige Wildäpfel produzieren.
Einen Obstbaum aus Samen zu ziehen ist zudem eine Geduldsprobe: Es können 10 bis 15 Jahre vergehen, bis der Baum zum ersten Mal blüht – nur um dann zu offenbaren, dass die Früchte ungenießbar sind.
- Profiwahl: Alle verkauften und ertragreichen Apfelbäume der Welt sind veredelt! Sie tragen einen Trieb der gewünschten Sorte, der auf eine widerstandsfähige Unterlage gepfropft wurde. Holen Sie sich einen fertigen, veredelten Jungbaum aus der Baumschule und ernten Sie oft schon nach wenigen Jahren!
Wie viele Tüten Lavendel- oder Rosmarinsamen haben Sie bereits ausgesät, nur um monatelang auf leere Erdtöpfe zu starren? Oder stehen bei Ihnen auf der Fensterbank lange, dünne Kümmerlinge? Sparen Sie Ihre Zeit und Ihr Geld – verzichten Sie auf hoffnungslose Aussaaten und setzen Sie diesen Frühling auf Stecklinge und fertige Jungpflanzen! Teilen Sie diesen nerven- und gartentraumrettenden Profitipp mit Ihren Freunden, die immer noch neue Samentüten horten!



