Warum „Telefonvermeider“ die klügsten Kommunikatoren am Arbeitsplatz sind

Das Telefon klingelt unerwartet auf dem Schreibtisch oder auf der Wohnzimmercouch. Die erste Reaktion vieler Menschen ist nicht, fröhlich abzuheben, sondern entsetzt auf das Display zu starren: „Warum ruft diese Person an, statt einfach eine Nachricht zu schreiben?“ Unerwartete Anrufe werden heutzutage zunehmend als aufdringlich, stressig und sogar unhöflich empfunden.

Falls du zu jener wachsenden Gruppe gehörst, die das Telefon klingeln lässt und anschließend eine WhatsApp-Nachricht schickt mit „Worum geht’s?“, hast du wahrscheinlich schon Vorwürfe gehört, unsozial oder unhöflich zu sein.

Arbeitspsychologen und Kommunikationsexperten drehen diese Sichtweise nun komplett um. Die Abneigung gegen Telefonate ist kein Zeichen von Unhöflichkeit, sondern ein Überlebensmechanismus des modernen Wissensarbeiters.

Hier ist die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Menschen, die Nachrichten bevorzugen, ihr Gehirn deutlich besser schützen als Anrufer.

Ein Anruf ist „kognitiver Raub“

Wenn wir an moderne Arbeitskultur und den Alltag denken, verletzt ein unerwarteter Anruf ein grundlegendes Recht: das Recht auf Konzentration.

Experten für Arbeitsgesundheit und Hirnforscher sprechen von einem Phänomen namens Unterbrechung. Wenn du in tiefe Arbeit versunken bist (im Flow-Zustand), eine wichtige E-Mail schreibst oder einen seltenen Ruhemoment genießt, ist das Klingeln des Telefons für dein Gehirn ein Alarmsignal.

„Ein Anruf verlangt sofortige, synchrone Aufmerksamkeit. Der Anrufer geht davon aus, dass seine Angelegenheit genau in dieser Sekunde wichtiger ist als das, was du gerade tust. Das ist kognitiver Raub“, beschreiben Fachleute dieses Phänomen.

Hirnforschungen zeigen, dass das Gehirn nach einer einzigen unerwarteten Unterbrechung (wie einem Anruf) durchschnittlich fünfzehn bis zwanzig Minuten benötigt, um zu jenem tiefen Konzentrationszustand zurückzukehren, in dem es sich vor der Störung befand. Ständiges Beantworten von Anrufen zerstückelt den Arbeitstag und vernichtet die Produktivität.

Nachrichten geben dir die Kontrolle zurück

Warum wächst die Beliebtheit von Nachrichten (über WhatsApp, Teams oder Slack) selbst unter älteren Altersgruppen? Laut Psychologen geht es um die Wiederherstellung von Kontrolle.

Nachrichtenaustausch ist asynchrone Kommunikation. Das bedeutet, dass der Absender seine Angelegenheit formulieren kann, wann es ihm passt, und der Empfänger sie lesen und beantworten kann, wenn er dafür kognitive Kapazität und Zeit hat.

  1. Schutz der Gedankenqualität: Wenn du eine Nachricht sendest, musst du dein Anliegen verdichten. Du kannst nicht über belangloses Geplauder abschweifen, wie es oft zu Beginn eines Anrufs geschieht. Dies spart beiden Zeit und klärt das Denken.
  2. Durchdachte Antworten: Am Telefon wird man gedrängt, innerhalb von Sekunden zu antworten, was häufig zu übereilten Zusagen oder Fehlern führt. Eine Nachricht gibt Zeit zum Nachdenken, zum Überprüfen des Kalenders und zum Geben einer qualitativ hochwertigen, gut überlegten Antwort.
  3. Schwarz auf weiß: Viele Menschen verabscheuen Telefonate, weil keine Dokumentation zurückbleibt. In einem Nachrichtenverlauf (etwa mit Arbeitskollegen oder dem Partner) lässt sich später problemlos überprüfen, was tatsächlich über Uhrzeiten oder Einkaufslisten vereinbart wurde.

Telefonangst ist normal – So gehst du stilvoll damit um

Falls du unter sogenannter Telefonangst leidest, bist du nicht allein. Es ist heutzutage ein völlig normales Phänomen, für das man sich nicht schämen muss. Das Anrufen unbekannter Nummern (beispielsweise beim Arzt oder Friseur) verursacht bei vielen Millennials und Vertretern der Generation Z körperliche Stresssymptome.

Die Etikette hat sich jedoch gewandelt, und mittlerweile ist es durchaus akzeptabel, dem Anrufer eine Nachricht zu schicken.

3 Expertentipps zur Wahrung deiner Telefonruhe:

  1. Nutze den „Nicht stören“-Modus: Aktiviere auf deinem Smartphone den Fokus- oder Nicht-stören-Modus immer dann, wenn du konzentrierte Arbeit erledigst oder dich entspannen möchtest. Erlaube Anrufe nur von Familienmitgliedern.
  2. Erstelle eine Standardantwort: Wenn du einen Anruf nicht entgegennehmen kannst, richte eine automatische Textnachricht ein: „Hallo! Ich bin gerade beschäftigt. Könntest du dein Anliegen kurz per Nachricht schicken? Ich melde mich, sobald möglich.“ Das ist höflich und wahrt deine Grenzen.
  3. Verabrede Telefonate im Voraus: Im Berufsleben (und sogar unter Freunden) ist es heute höflich, zuerst eine Nachricht zu senden: „Passt es dir, wenn ich dich kurz um 14 Uhr anrufe?“ Das gibt der anderen Person die Möglichkeit, sich vorzubereiten und in einen ruhigen Zustand zu wechseln.

Erstarrt auch dein Finger über dem Telefon, wenn ein unerwarteter Anrufer auf dem Display erscheint? Hast du gehört, du seist unsozial, weil du Anrufe vermeidest und WhatsApp bevorzugst? Sende diese befreiende Analyse per Nachricht (nicht per Anruf!) an jene Verwandten oder Arbeitskollegen, die sich wundern, warum du nie sofort abnimmst!

Author

  • Andrea Funk è una blogger tedesca di lifestyle e DIY, fondatrice di andysparkles, dove condivide consigli pratici su vita quotidiana, viaggi e creatività.

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